Wissenschaftliche Publikationen

Management und Prävention von Gefäßkatheterinfektionen: Ein Positionspapier der internationalen Gesellschaft für Infektionskrankheiten

Mai 10, 2021

Lutwick L, Al-Maani AS, Mehtar S, et al. Management und Prävention von Gefäßkatheterinfektionen: Ein Positionspapier der internationalen Gesellschaft für Infektionskrankheiten. Int J Infect Dis. 2019 Jul;84:22-29. doi: 10.1016/j.ijid.2019.04.014.

Die unsachgemäße Platzierung oder Pflege von zentralen Venenkathetern (ZVK) kann zu Infektionen des Blutkreislaufs führen. CLABSIs oder „Central-Line Associated Blood Stream Infections“ (zu deutsch: zentrale Venenkatheter-assoziierte Infektionen des Blutkreislaufs) sind eine bedeutende Art von nosokomialen Infektionen und mit Sterblichkeitsraten von 15–25 % verbunden.1 CLABSIs sind in vielen Ländern weltweit für längere Krankenhausaufenthalte und erhöhte Kosten verantwortlich. 2, 3

Das International Nosocomial Infection Control Consortium (INICC) hat durch angewandte Forschung und Überwachung die mit CLABSIs verbundenen Herausforderungen untersucht. Auf der Grundlage dieser Studie konnte das Konsortium eine Reihe von Empfehlungen und Praktiken zusammenzustellen, um das Auftreten von CLABSIs zu verhindern oder zu reduzieren. In diesem Positionspapier von Lutwick, L, et al. werden die Empfehlungen des INICC zusammengefasst.4

Versorgungsbündel

Ein Versorgungsbündel ist definiert als eine Reihe von Interventionen, die gemeinsam darauf abzielen, Patientenergebnisse zu verbessern. Die Autoren diskutieren die effektiven Versorgungsbündel, über die in der Literatur berichtet wurde. Dazu gehören:

  1. Versorgungsbündel für die Platzierung: Die in einem Platzierungsbündel angegebenen Interventionen sind:
  • Die Auswahl der optimalen Stelle und des optimalen Katheters durch die Verwendung von Ultraschallführung, eine minimale Lumenzahl, minimierte Leckagen durch die Verwendung kompatibler Komponenten, umsichtige Verwendung der Leitungen von peripher eingeführten zentralen Venenkathetern (PICC) und die Verwendung von Midline-Kathetern.
  • Handhygiene unter Verwendung von Handdesinfektionsmitteln auf Alkoholbasis oder antiseptischer Seife vor und nach jeder Interaktion mit der Einbringungsstelle.
  • Hautvorbereitung mit 0,5 – 2,0 %igem Chlorhexidin / 70 %igem Isopropanol.
  • Barrieremaßnahmen durch die Verwendung von Handschuhen und sterilen Kitteln.
  1. Katheterpflegebündel: Die Interventionen in einem Katheterpflegebündel sind:
  • Überprüfung der Notwendigkeit und des Austauschs des Katheters.
  • Handhygiene vor und nach der Intervention zur Aufrechterhaltung der aseptischen Technik.
  • Desinfektion von Katheteransatz und Zugangssystemen.
  • Regelmäßiger Verbandswechsel und Verwendung von chlorhexidin-imprägnierten Verbänden.
  • Tägliches Bad mit Chlorhexidin, antibakterielle Katheter und der Einsatz von prophylaktischen Antimikrobiotika in Bereichen mit hohen CLABSI-Raten.

Die Verwendung von geeigneten intravenösen Infusionssystemen

Auf der Grundlage der veröffentlichten Daten kommen die Autoren des Artikels zu dem Schluss, dass offene Systeme (z. B. Drei-Wege-Hähne) ein größeres Kontaminationsrisiko darstellen als geschlossene Systeme (z. B. geteilte Septums in Verbindung mit vorgefüllten Einweg-Spülvorrichtungen). In einer randomisierten klinischen Studie wurden die CLABSI-Raten zwischen Patienten verglichen, bei denen ein offenes System und eine Standardspülung verwendet wurde, mit Patienten, bei denen ein geschlossenes System verwendet wurde. Die Studie zeigte signifikant niedrigere CLABSI-Raten bei der Verwendung des geschlossene Systems auf.5 

Empfohlene Praktiken für das Management von CLABSI

Die häufigsten Organismen, die CLABSIs verursachen, sind Biofilm bildende grampositive Kokken wie S. Aureus und Koagulase-negative Staphylokokken (KNS). CLABSI-Symptome können, je nach verursachendem Organismus, leicht oder schwerwiegend sein. S. Aureus und S. Lugdunesis führen typischerweise zu schwereren Symptomen. Die Autoren empfehlen die Verwendung von Vancomycin als empirisches Antibiotikum bis zum Vorliegen der Kulturergebnisse. In Ländern, die keine hohen MRSA-Raten aufweisen, werden gegen Staphylokokken wirksame Beta-Lactam-Antibiotika empfohlen. Bei schweren Erkrankungen oder immungeschwächten Patienten kann jedoch eine zusätzliche Abdeckung als Schutz gegen gramnegative Erreger sinnvoll sein. In Abhängigkeit von antimikrobiellen Resistenzmustern können auch andere Mittel in Betracht gezogen werden.

Die Autoren empfehlen bei Vorliegen positiver Blutkulturen, alle periphervenösen, arteriellen, nicht-getunnelten Midline- und Kurzzeitkatheter zu entfernen. Langzeitkatheter wie PICC-Leitungen können explantiert werden. Die Vorgehensweise bei der Entfernung eines Katheters sollte individuell, unter Berücksichtigung des Patienten und des verursachenden Organismus und anderer klinischer Überlegungen erfolgen. 

Die Autoren raten Ärzten außerdem, die Dauer der antimikrobiellen Therapie in Abhängigkeit des Erregers und des Grads der Erkrankung anzupassen.  Einige Mikroben können sekundäre metastatische Infektionen verursachen. Dies muss bei der Entscheidung über die Dauer der antimikrobiellen Therapie ebenfalls berücksichtigt werden.

CLABSIs in der Pädiatrie

Den Autoren zufolge ist das Auftreten von CLABSIs bei Kindern und Neugeborenen mit besonderen Herausforderungen verbunden. Studien haben gezeigt, dass die CLABSI-Raten bei Kindern höher sind als bei Erwachsenen (1,6 bis 44,6 Fälle auf Intensivstationen für Erwachsene gegenüber 2,6 bis 60,0 Fällen auf Neugeborenen-Intensivstationen pro 1000 Zentralvenenkathetertagen).6 Neugeborene sind aufgrund der schlechten Hautintegrität und ihres unterentwickelten Immunsystems anfälliger für Infektionen des Blutkreislaufs. Um die Inzidenz von CLABSIs auf pädiatrischen und neonatologischen Stationen zu reduzieren, schlagen die Autoren evidenzbasierte Interventionen vor. Dazu gehören administrative Maßnahmen und Richtlinien, Standardtechniken zur Infektionsprävention, Hautvorbereitung bei Neugeborenen, maximale Verweilzeiten für PICCs und die Auswahl der geeigneten Stelle.

Fazit

In diesem Artikel zitieren die Autoren verschiedene Studien aus der Literatur, um die Herausforderungen zu skizzieren, die CLABSIs mit sich bringen und empfehlen Mittel und Wege, um diese zu reduzieren. Diese Empfehlungen sollen dem medizinischen Fachpersonal Einblicke in die Platzierung und Pflege von Kathetern zur Vermeidung von Infektionen geben. Außerdem geben die Autoren evidenzbasierte Hinweise zur Diagnose und Behandlung von CLABSIs. Ein weiterer wichtiger Aspekt dieses Artikels ist die Diskussion über pädiatrische Versorgungsumgebungen und wie CLABSIs in diesen reduziert werden können.

 


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Verweise

1 Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Vital signs: central line-associated bloodstream infections–United States, 2001, 2008, and 2009. MMWR Morb Mortal Wkly Rep. 2011 Mar 4;60(8):243-8. PMID: 21368740.

2Higuera F, Rangel-Frausto MS, Rosenthal VD, et.al . Attributable cost and length of stay for patients with central venous catheter-associated bloodstream infection in Mexico City intensive care units: a prospective, matched analysis. Infect Control Hosp Epidemiol. 2007 Jan;28(1):31-5. doi: 10.1086/510812. 

3Stevens V, Geiger K, Concannon C, et.al. Inpatient costs, mortality and 30-day re-admission in patients with central-line-associated bloodstream infections. Clin Microbiol Infect. 2014 May;20(5): O318-24. doi: 10.1111/1469-0691.12407. Epub 2013 Nov 6. PMID: 24112305.

4 Lutwick L, Al-Maani AS, Mehtar S, et al . Managing and preventing vascular catheter infections: A position paper of the international society for infectious diseases. Int J Infect Dis. 2019 Jul;84:22-29. doi: 10.1016/j.ijid.2019.04.014.

5Rosenthal VD, Udwadia FE, Kumar S, et al. Clinical impact and cost-effectiveness of split-septum and single-use prefilled flushing device vs 3-way stopcock on central line-associated bloodstream infection rates in India: a randomized clinical trial conducted by the International Nosocomial Infection Control Consortium (INICC). Am J Infect Control 2015;43:1040–5. doi: 10.1016/j.ajic.2015.05.042

6 Victor D. Rosenthal, Central Line-Associated Bloodstream Infections in Limited-Resource Countries: A Review of the Literature, Clinical Infectious Diseases, Volume 49, Issue 12, 15 December 2009, Pages 1899–1907, https://doi.org/10.1086/648439

Zulassungsnummer BD-30531.